Stellenbeschreibung

Kaf­kas Prüg­ler ist kein ent­grenz­ter Sadist, auch ist er kein Ben­gel zur Miete, der wil­li­ger und drin­gend straf­be­dürf­ti­ger Kli­en­tel die ersehnte Züch­ti­gung ver­schafft. Er ist kein Die­ner am Hofe etwa eines Don Carlo Gesu­aldo, der sei­nem Herrn (dem wir wahr­haft über­ir­di­sche Gesänge ver­dan­ken) zu akut spür­ba­rer Buße ver­hilft, dies bei stei­gen­der Häu­fig­keit und Inten­si­tät. Er ist Ange­stell­ter, und seine Auf­ga­ben beschreibt er höf­lich, knapp und prä­gnant: Ich bin zum Prü­geln ange­stellt, also prügle ich.

(Niklas Luh­mann, dies am Rande, sprach von der “Legi­ti­ma­tion durch Ver­fah­ren”. Stan­ley Mil­grams Test­per­so­nen bewie­sen auf Anwei­sung und in gutem Glau­ben an die Zweck­dien­lich­keit ihres Tuns tätige Bereit­schaft zum Quä­len. Hierzu muß­ten man­che – nicht alle – sich über­win­den.)

Zum Pro­fil, zu den Ein­stel­lungs­vor­aus­set­zun­gen gehört eine bestimmte kör­per­li­che Ver­fas­sung: ein Mann mit einem enor­men Bauch, wie ihn sich Wil­lem ange­fres­sen hat, der sich habi­tu­ell über das Früh­stück der frisch Ver­haf­te­ten her­macht (” ‘Nun fan­gen Sie also wie­der an´, sagte der Wäch­ter und tauchte ein But­ter­brot ins Honig­fäß­chen”), kann unter kei­nen Umstän­den (“nie und nim­mer­mehr”) Prüg­ler wer­den. Der Bauch ist gewis­ser­ma­ßen ein zuläs­si­ges Kri­te­rium der Dif­fe­ren­zie­rung, des­sen für den Stel­len­be­wer­ber nach­tei­lige Berück­sich­ti­gung nicht etwa eine Dis­kri­mi­nie­rung bedeu­tet. Das gilt jeden­falls dann, wenn der Bauch wegen sei­ner Fülle, sei­ner Run­dung, die in hän­gende Schwere über­ge­hen mag, und sei­nes Ein­flus­ses auf Sta­tik und Behen­dig­keit Zwei­fel an der objek­ti­ven Taug­lich­keit des Bewer­bers für die von ihm umwor­bene Stelle begrün­det. Das ist bspw. dann der Fall, wenn ein ärzt­li­ches Gut­ach­ten zur Taug­lich­keit des Bewer­bers ver­merkt: “Fett­schürze mas­siv. Leber nicht tast­bar”. In die­sem Falle kommt es auf die inne­ren Vor­aus­set­zun­gen nicht wei­ter an, also etwa Loya­li­tät gegen­über dem Dienst­her­ren wie gegen­über Vor­ge­setz­ten, Unpar­tei­lich­keit bei der Wahr­neh­mung der Dienst­ge­schäfte, maß­geb­lich also bei Züch­ti­gun­gen, die ohne Anse­hen der Per­son zu erfol­gen haben.

Adi­po­si­tas per­ma­gna, vulgo: Fett­lei­big­keit, gilt vie­len als Indiz der Gemüt­lich­keit. Damit steht sie rein sach­li­cher Auf­ga­ben­er­fül­lung im Wege, zumin­dest gefähr­det sie sie. Glei­cher­ma­ßen unge­eig­net und damit Kan­di­dat ohne Aus­sicht auf Ein­stel­lung ist der Wanst, der vie­len, und dies oft zu Recht, als unbe­herrscht und wenig gemüt­lich gilt. Er würde mit per­sön­li­cher Lust prü­geln, und das steht ihm nicht zu. Der Prüg­ler hat keine Mis­sion, seine per­sön­li­chen Nei­gun­gen haben am Arbeits­platz nichts zu suchen, und er hat gefäl­ligst keine Lust zu ver­spü­ren, zumin­dest hat sie nicht sein Han­deln zu bestim­men. Der Prüg­ler ist aus­füh­ren­des Organ.

Letz­te­res steht einer gewis­sen Ver­bind­lich­keit des Auf­tre­tens, einer erläu­tern­den Zuvor­kom­men­heit nicht ent­ge­gen. Die wech­seln­den Anfor­de­run­gen der täg­li­chen Arbeit etwa, die Beson­der­hei­ten des jewei­li­gen Fal­les, fin­den Erwäh­nung, der unver­stän­dige, je nach Tem­pe­ra­ment auch fas­sungs­lose Zeuge des Gesche­hens soll sich ein Bild machen kön­nen. Ihm sagt der Prüg­ler, wäh­rend er auf den Wäch­ter Wil­lem deu­tet: “Sieh an, wie fett er ist. Die ersten Ruten­strei­che wer­den über­haupt im Fett ver­lo­ren­ge­hen.”

Dieser Beitrag wurde unter Beiträge Okt. - Nov. 2015 veröffentlicht. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.